15/08/2011

Berg(Lebens)welten

Leben in den Bergen? Als Städter hat man vielleicht eine sehr romantische Vorstellung vom Leben in den Bergen. Berghobbyisten gehen wieder und freuen sich auf das Wiedersehen.

So viel kann ich aber sagen, mir fehlen die Berge sehr. In der Stadt habe ich das Gefühl von ihnen abgeschnitten zu sein. Eigentlich möchte ich fast jede Sekunde meiner Freizeit in alpiner Umgebung verbringen. Von hier ist es aber fast unmöglich. So sehr ich die Stadt mag, aber irgendwann muss ich näher zu den Bergen.

Wenn man ein wenig mehr hinter die Kulissen der Bergwelt schaut, findet man sehr schnell heraus, dass es dort rau zugeht. So wie die Natur, sind meist auch die Menschen. Aber wenn man weiß, wie man mit Ihnen umzugehen hat kommt man mit Natur und Mensch aus.

Gibt es eine Lebenswelt in den Bergen abseits von Tourismus und Landwirtschaft? Kann man dort ein modernes Leben zwischen Tradition und Fortschritt leben? Würde ich vielleicht doch Kulturgüter zu sehr vermissen? Will ich, dass meine Kinder dort aufwachsen und vielleicht daran verzweifeln?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit dem Post ein paar gleichgesinnte Zweifler auf den Plan rufen könnte.

13/07/2011

Social Media macht uns zu Entertainern

Zugegeben. Ich verkaufe meine Kinder. Aus meinem Umfeld häufte sich in letzter Zeit die Kritik, dass ich nicht Fotos von meinen Kindern auf Facebook stellen könne. Ja stimmt, Kinder sind extrem Resonanz fähig. Das Wissen wir doch schon längst aus der Werbung und ich benutze meine Kinder um meine Freund zu unterhalten. “like it”.

Ohne jetzt über die Ethik dieses Vorgehens zu diskutieren, ist doch viel spannender zu beobachten, wie wir uns täglich auf Social Media inszenieren. Wir geifern nach Retweets mit early adopter News. Wir üben uns in zynischen Harald Schmidt Kommentaren. Wir stellen cool gepimpte Fotos online. Und wir treten die Privatsphäre von unseren Kindern oder Freunden mit den Füßen um ein ‘oh wie süüüß’ zu bekommen.

Wir sind alle Entertainer. Wir lernen uns zu vermarkten. Sogar die Leute, die das alles nicht tun, erfahren wie man heut zu Tage Resonanz bekommen kann. Im Grunde sind wir schon immer Selbstvermarkter. Am Stammtisch oder im Familienkreis werden schon immer Sprüche geklopft und Fotos gezeigt.

Neu ist aber die Geschwindigkeit und die Häufigkeit unserer Unterhaltungsshow. Neu ist auch, wie kritisch wir geworden sind. Spannend finde ich z.B. wie Luca Hammer über seinen Umgang mit Circles auf Google+ schreibt: Wenn man ihn langweilt, verschwindet man irgendwann aus seinen Kreisen. Er hat ja irgendwie recht. Warum muss man sich den Bullshit durchlesen, den die Leute so von sich geben, wenn man sich nicht dafür interessiert. Man sollte da auch nicht vor “realen” Freunden Rücksicht nehmen.  Vielleicht ist man einfach die falsche Zielgruppe. Es ist ja gut möglich, dass ich einige meiner Freunde auf Facebook mit meinen Babyfotos zu Tode nerve und ich Gefahr laufe im Spam zu landen. Auf G+ ist das jetzt noch viel einfacher geworden.

An dieser Entwicklung sehe ich aber einen positiven Sideeffect. Werden wir nicht auch alle kritischer gegenüber Kommunikation von öffentlichen Personen und Medien? Ich glaube Social Media sorgt für Qualität. Das habe ich auch schon in meinem letzten Post über die Veränderungen in Unternehmen angedeutet.

So lange ich noch genügend positive Reaktionen auf meine Kinderfotos bekomme, werde ich das weiter tun. Meine Kinder werden mir das sicher verzeihen. Für sie wird Social Media kein Begriff mehr sein, denn dann sind alle Medien “social” und diese Unterscheidung wird nicht mehr notwendig sein.

07/07/2011

Wie verändern sich Organisationen durch Resonanzerwartung?

Gestern saß ich mal wieder in einem Akquisetermin mit einem Beratungsunternehmen. Schon nach wenigen Minuten musste ich gedanklich abschalten, weil sie uns leider mal wieder nichts besonderes Neues oder spannendes präsentiert haben. Aber etwas Gutes hatte dann der Termin dann doch.

Mir ist mal wieder aufgefallen, dass wir einen großen blinden Fleck in Organisationen bei dem Hypertrend Social Media haben. Wir schauen uns gerne an, wie wir die Interaktion mit Kunden steigern, den Kunden Service anbieten, Kundenbindung herstellen und Produkte verkaufen können. Aber wir machen uns selten oder nie Gedanken darüber, welche Implikationen das Social Web für uns als Organisation selbst hat.

Heute muss man als Organisation ja immer mit Resonanz rechnen. Und zwar Resonanz die sichtbar ist. Durch Kommunikation hat man schon immer weitere Kommunikation befeuert, nur konnte man das früher nicht so schön sehen. Außerdem war Interaktion räumlich und zeitlich aufwändiger.

Meine Frage ist nun, wie verändert sich ein Unternehmen selbstreferenziell, weil der Anschluss von Kommunikation heute so viel einfacher ist?

Ich denke ein wesentlicher Punkt ist die gestiegene Transparenz auf Märkten:

  • Preise können einfacher verglichen werden.
  • Die Qualität von Produkten wird durch Bewertungen unmittelbar sichtbar.

Gleichzeitig steigt aber der Einfluss von Präferenzen auf Märkten:

  • Persönliche Bewertungen beeinflussen den Kauf eines Produktes.
  • Persönliche Erfahrungen lassen die Wahrnehmung der eigenen Zufriedenheit anders erscheinen.

Welche Konsequenzen hat das für Unternehmen? Instransparente Kostenkommunikation wird sofort entlarvt.  Qualitätsfeedback ist unmittelbar und kann den Erfolg eines Produkts ab dem ersten Verkauf beeinflussen. Die ersten Bewertungen sind lebensnotwendig für den Erfolg eines Produktes. Ein schlechter Start kann den weiteren Verkauf schwächen. Außerdem sind Kunden vor allem dann zufrieden mit einem Produkt, wenn es ihr Netzwerk auch ist. Das beste Beispiel ist hier mal wieder Apple. Die Apple Community trägt das gute Gefühl ein Apple Produkt zu besitzen weiter, auch wenn andere Produkte evtl. besser sind.

Das beantwortet aber immer noch nicht meine Frage. Denn ich möchte ja wissen, welche organisatorischen Folgen das haben kann? Alle Marktaktivitäten stehen unter permanenter Beobachtung und diese Beobachtung wird natürlich durch Marktforschung beobachtet. Nur bekommt man dadurch die richtigen Aussagen? Zumeist wird ja erst dann abgetestet, wenn eine Kommunikation oder ein Produkt schon auf dem Markt sind. Das Social Web ist viel mehr immer ein Spiegel, den man bei Entscheidungen sich vorhalten muss. Natürlich kann man Strategien entwickeln um die Resonanz zu steuern, aber mit Resonanz wird immer schon gerechnet.

Mir ist das aber immer noch zu unscharf. Vielleicht ist das Thema aber auch einfach zu banal, als darüber noch weiter nachdenken zu müssen. Mal sehen…

04/07/2011

Intuition ist der Königsweg der Komplexitätsreduktion

Nach Prof. Dr. Peter Kruse funktioniert Corporate Learning nur dann, wenn man ein gemeinsames Wertemuster hat oder zumindest versteht, welche Wertemuster alle Interaktionsteilnehmer haben. Dies entspricht exakt dem systemtheoretischen Kulturbegriff. Kultur ist hier kein normativer Begriff, sondern eine Co-Evolution von Wertemustern, die die Anschlussmöglichkeiten von Kommunikation erleichtern. Das klingt jetzt sehr kompliziert, ist es aber nicht, wenn man beim Denken an Kultur nicht die Leitkultur im Kopf hat sondern mehr ein Schmiermittel, das unsere Interaktion, unsere Gesellschaft im Laufen hält. Sozusagen ist alles Kultur und nicht nur das, was unsere Bildungselite als Kultur versteht.

Peter Kruse macht meiner Meinung nach den Fehler, zu sehr an der Konstruktion von Kultur durch Diskurse zu hängen. Sobald in einem Netzwerk Interaktion funktioniert hat sich schon eine Kultur gebildet, ohne dass man sich auf diese hätte einigen müssen. Er spricht von Titanenaufgaben, die man für internationale Corporate Learning Strukturen bewältigen müsse. Ich rätsle gerade, welche Hindernisse das sein könnten. Sprache, Business Tools und internationale Kommunikation sind längst globalisiert. Gerade die Sprache in Social Media hat sich standardisiert.

Learning: Um in Social Media gesteuerte Lernprozesse einzuführen ist eine gemeinsame Kultur notwendig. Es könnte z.B. schon genug sein, Kunde von der selben Firma zu sein, oder gleich Interessen zu haben.

Wie reduzieren Menschen die Komplexität von Systemen?

1. Ausprobieren.
2. Ignoranz.
3. Verstehen.
4. Trivialisierung.
5. Intuition.

Intuition ist für Peter Kruse der Königsweg. Nur müsse man sich in seiner Intuitionsfähigkeit immer weiterentwickeln um nicht irgendwann mit einer Intuition von Gestern die falsche Entscheidung zu treffen.

Learning: Kollektive Intuition könnte die Lösung für eine Gefahrenreduktion der falschen intuitiven Entscheidung sein. Gerade bei der Einführung von Produkten kann also die aggregierte Intuition eines Netzwerks eine Managemententscheidung stützen oder aber verwerfen.

03/07/2011

Die Vernetzungsdichte erhöht die Komplexität der Systeme

Gestern lernten wir von Prof. Dr. Peter Kruse, dass wir Werkzeuge entwickeln müssen, um die vernetzte Welt besser verstehen und bewerten zu können.

Heute steigen wir gleich tiefer in seine Theorie ein:

Durch die erhöhte Netzwerkdichte sind komplexe Praktiken und Veränderungsdynamiken entstanden, deren Wirkung wir nicht mehr so einfach verstehen können. Deshalb setzt Peter Kruse auf die kollektive Intelligenz.

Learning: Social Media bewirkt in Unternehmen Praktiken, deren Wirkung wir noch nicht hervorsehen können. Wir brauchen deshalb neue Prozesse mit entsprechenden Methoden um der vernetzten Welt entsprechen zu können.

Kruse erklärt sehr einleuchtend, wie er mit Methoden die drei Grundkomponenten von intelligenten Systemen, Vernetzung, Erregung und Bewertung stimulieren kann.

1. Erhöhung der Vernetzung in Gruppen. Hierfür hat next practice das Moderationstool nextmoderater entwickelt, die alle Workshopmethoden von Brainstorming bis Maßnahmenentwicklung in einem LAN möglich machen. Somit können Kleingruppenprozesse auf sehr große Gruppen skaliert werden.

2. Bewertungen von Menschen sichtbar machen. Bewertungsmuster sind auf Grund der Black Box des Bewusstseins nicht direkt mit Fragestellungen herauszufinden. Außerdem verhindern sprachlich mehrdeutige Fragen und biographische geprägte Antworten die Erhebung von Wertewelten. Das Tool von next practice dazu ist nextexpertizer.

Learning: Die klassischen quantitativen Tools für Social Media Monitoring sind auf dem Holzweg. Aber das war eh klar. Es gibt also anscheinend eine Methode, mit der man dann “wirklich” an die Meinung der Kunden kommt?!? Ich lass mir mal die Brochuren von diesen Tools schicken ;-) . Mit einer Facebook Community einen Innovationsworkshop durchzuführen wäre außerdem eine herausfordernde Idee, an der ich gefallen gefunden habe.

02/07/2011

Peter Kruse erschafft Werkzeuge zum Erzeugen von Kollektiver Intelligenz.

In meinem gestrigen Post stellte ich einen Vortrag von Prof. Dr. Peter Kruse zu Social Media vor. So manchen Ansatz fand ich so spannend, dass ich mehr über Peter Kruse erfahren wollte. Auf YouTube sind einige interessante Interviews mit ihm zu finden. In den nächsten Tage werde ich jeden Tag ein Video aus einem längeren Interview vorstellen und kurz zusammenfassen, was wir daraus für Social Media Management oder New Media Communication lernen können.

Wer ist Peter Kruse?

Das Unternehmen next practice von Peter Kruse berät Unternehmen in Veränderungs -und Innovationsprozessen. Sehr spannend ist seine Aussage, dass Unternehmen sehr wohl schon Ideen hätten wie komplexe Systeme funktionieren und wie darin Veränderungen passieren können, aber es fehle ihnen an passenden Methoden. Dafür baut next practise Werkzeuge zum Erzeugen von kollektiver Intelligenz. Seine These ist, dass unsere Sozialen Systeme heute so komplex seien und man sie nicht mehr individuell lösen könne. Deshalb entwickeln Sie Methoden um in Netzwerken kollektive Intelligenz real herzustellen, damit das Ganze mehr ist als die Summe der Teile.

Mit kollektiver Intelligenz Innovation herstellen kann man einfach auch Crowdsourcing nennen. Wie man Crowdsourcing aber wirklich in großen Unternehmen (Systemen) in den Innovations -und Entwicklungsprozess einbaut ist oft eine ungelöste Frage. Deshalb lohnt es sich sicher Herrn Kruse in seinen Ausführungen weiter zu folgen.

Learning: Wir müssen Methoden (Werkzeuge) entwickeln, um das Potential von Netzwerken für Veränderungs -und Innovationsprozesse nutzen zu können.

Abschließen möchte ich aber noch mit zwei kritischen Anmerkungen. Systeme sind immer mehr als die Summe seiner Teile. Dafür muss man nicht erst Kollektive Intelligenz schaffen. Außerdem muss man die Komplexität von Systemen nicht lösen, sondern eine Praxis schaffen, die die Komplexität reduziert. Naja, vielleicht meint er das sowieso genau so ;-) !

01/07/2011

Revolution 2.0 von Prof. Dr. Peter Kruse

Aktuell durchforste ich das Web nach vorhandenen Analysen, Vorträgen und Präsentationen, die sich mit wissenschaftlicher oder zumindest analytischer Perspektive, dem Social Web nähern. Einer der ersten Suchergebnisse für “Social Media Gesellschaft” ist auf Penzweb.de der Vortrag Revolution 2.0 von Prof. Dr. Peter Kruse. Dass die Präsentation schon zwei Jahre alt ist, macht das Review um so spannender.

Schaut euch in Ruhe das Video an und dann blättert danach schnell noch durch die Präsentation.

Lpr Forum Medienzukunft

Prof. Kruse steigt in die Präsentation ein, wie man vor zwei Jahren eben noch solche Präsentationen beginnen musste, indem er die unglaublich hohe Userzahl und deren Vernetzung sowie die Wachstumsgeschwindigkeit von Social Media zeigt. Damit und vielen weiteren Beispielen stütz er seine These der Machtverlagerung durch Resonanzbildung.

Richtig spannend wird der Vortrag aber erst nach 20 Minuten, wenn Prof. Kruse noch mal betont, dass Social Media Kampagnen eben Resonanz fähig sein müssen, damit diese erfolgreich werden können. Die Initiatoren bedürfen Empathie und ein hohes Verständnis von Netzwerken um die Macht des Social Web wirklich nutzen zu können. Anschließend zeigt er auch noch mit der Maslowschen Pyramide, dass sich auf der Suche nach Sinn, die Qualität im Social Web durchsetzen wird.

Am Beispiel des “Uni brennt” Protestes in Wien belegt er, dass Hierarchie und Netzwerk nicht zwei einander widersprechende Dinge sondern zwei Aggregatzustände eines Systems (politisches System) sind. Er kreiert den spannenden neuen Begriff der Netzwerkkompetenz neben der Medienkompetenz, die man doch für den Ideenfindungsprozess nutzen solle.

Das letzte Kapitel über die Akzeptanz von Social Media bei Digital Natives vs. Digital Visitors war dann nicht mehr überraschend.

Anscheinend sprach Prof. Kruse vor einem Publikum aus Wirtschaftsvertretern und deshalb fällt mein Urteil über den Vortrag nicht zu hart aus. Er hat natürlich nur an der Oberfläche gekratzt und vor allem mit Beispielen plakativ überzeugen wollen. Dennoch hat er mein Interesse an seinen Arbeiten geweckt und ich werde bis zu meinem nächsten Post mich noch mehr mit Prof. Dr. Peter Kruse und seiner Sicht auf das Social Web beschäftigen. Auch weil Prof. Kruse zu den amüsanteren seiner Art gehört und schon vor zwei Jahren recht schlaue Sätze über Social Media sagen konnte.

28/10/2010

Marketing on Tour in Wien – Ein Review

Die Veranstaltungsreihe Marketing on Tour ist für Einsteiger im Online Business zu empfehlen aber nichts für Fortgeschrittene.

Es wurde mir einem mal mehr erzählt, wie wichtig Social Media ist, wie die Goldenen Regeln der Suchmaschinenoptimierung heißen, dass man doch ja alles messen soll und gscheide eMail-Tools braucht. Zum Glück war ein neuer Protagonist am Start wie ON24, die eine Webcasting Plattform anbieten. Helge Fahrnberger hat die staubige Runde auch bisserl aufgewirbelt und zumindest einige Fragen aus dem Publikum provoziert. Zum Schluss wurde es sogar noch richtig interessant, als Rechtsanwalt Alexander Koukal einen sympathischen und unaufgeregten Vortrag über Internetrecht zu Social Media gehalten hat.

Grundsätzlich ist Marketing on Tour eine nette Onlinekonferenz, die aber mehr in die Tiefe gehen sollte. Natürlich besteht gerade in der digitalen Kommunikation immer wieder Aufklärungsbedarf und es gibt ja auch stetig Neueinsteiger. Entweder man führt ein zweites Panel für Fortgeschrittene ein oder man mischt die Vorträge durch und stellt auch mal tiefgreifende Themen vor.

23/04/2010

Mingo Blogparade “Entrepreneurship”

Für die Mingo Blogparade “Entrpreneurship” will ich einen Beitrag aus der soziologischen Perspektive leisten. Falls manche Thesen nicht ganz klar sind, versuche ich in den Kommentaren noch mal deutlicher zu werden.

Auf Business Schools werden Unternehmer meist als gute Entscheider betitelt. Aber was macht einen guten Entscheider aus? Wissen Entscheider mehr über den einzuschlagenden Weg? Zumeist werden gute Entscheidungen guten Gründen zugeschrieben und somit müssten Unternehmer sehr viel wissen, da sie ja sonst keine guten Gründe hätten. Das man gute Gründe auch ohne Wissen haben kann, macht aber vielleicht genau den guten Unternehmer aus.

Herkömmlicherweise beschreibt man Entscheider also als Wissende. Folgt man aber den Ausführungen von Armin Nassehi
so entsteht erst dann eine Entscheidungssituation, wenn man eben nicht weiß, wie man sich zu entscheiden hat und nach guten Gründen suchen muss um eine Asymetrie im Entscheidungsprozess herzustellen. Unternehmer stehen also vor viel Nicht-Wissen. Sie wissen oft nicht, ob ihr Produkt oder Service überhaupt einen Markt hat. Sie wissen nicht, ob sich ihr Businessmodell rechnen wird. Sie wissen nicht wie die Konjunkur im kommenden Jahr aussehen wird. Und vieles mehr wissen Unternehmer nicht. Aber trotz all dem Nicht-Wissen oder gerade wegen dem Nicht-Wissen sind sie gute Entscheider und nehmen das Risiko einer möglichen “falschen” Entscheidung auf sich und entscheiden einfach. Damit die Entscheidung auch dann nicht zur Gefahr für den Entscheider wird, wenn die Entscheidung evtl. falsch war, bezieht man sich z.B. auf Statistiken, andere Experten, eigenen Erfahrungen oder einfach dem Gefühl. Letztlich muss man sich aber erst entscheiden, wenn man nicht weiß wie man sich zu entscheiden hat. Sonst müsste der Unternehmer nicht entscheiden, sondern einfach tun was man tun muss.

Unternehmer sind aber nicht nur gute Entscheider, sondern auch meist Experten auf einem Gebiet. D.h. sie müssen sich bei vielen Dingen, die sie tun eben nicht entscheiden, weil sie es in der Praxis einfach tun. Somit sind Unternehmer auch Nicht-Entscheider, sondern wie man so schön umgangssprachlich sagt “Macher”. Entweder verkaufen Sie ihre eigene entscheidungsfreie Praxis anderen oder aber sie stellen Leute ein, die so viel über eine Praxis wissen, dass sie die Entscheidung für andere abnehmen, weil sie eben sich gar nicht entscheiden müssen.

Schließlich besitzen Unternehmer auch einen Habitus eines Unternehmers. Diesen eignet man sich auf Business Schools an oder wächst darin auf. Der Habitus kaschiert zum einen, dass der Unternehmer Entscheidungen treffen muss und eben nicht genau weiß ob es die richtige Entscheidung war und zum anderen, dass der Unternehmer oder seine Angestellte eine Praxis beherrschen, die entscheidungsfrei anderen Unternehmen oder dem Endkunden weiterhilft. Manchen stößt dieser Habitus negativ auf und es gibt auch andere etwas mildere Ausprägungen, die weniger präpotent daherkommen. Der unternehmerische Habitus ist aber sehr wichtig, da nur dadurch neue Kunden gewonnen werden können.

Über Förderprogramme zu schreiben finde ich ziemlich sinnlos, deshalb endet hier mein Beitrag zur Blogparade.

13/04/2010

Fremdheit vs. Geselligkeit

Eine wesentliche Ressource unserer Gesellschaft sei die Fremdheit, schreibt Armin Nassehi in seinem, auch für Nicht-Soziologen, lesbaren Buch “mit dem Taxi durch die Gesellschaft”. Er begründet es darauf, dass in urbanen Räumen das Zusammenleben nur möglich sei, wenn man distanziert anonym bleiben könne und die Kommunikation in weiten Teilen auf die Kommunikationsmedien reduziert ist. Es gibt sozusagen ein Gemeinwohl aus Fremden.

Wenn man sich jetzt aber das Social Web ansieht, laufen einem pausenlos neue Gruppen über den Weg. Es scheint ja gerade so vor Geselligkeit zu strotzen. Aus soziologischer Sicht haben Gruppen, sehr vereinfacht ausgedrückt, zwei wesentliche Merkmale: Gruppen sind gesellig und haben ein gemeinsames Ziel. Ich glaube, im Social Web muss man Geselligkeit neu definieren. Die grenzenlose Vernetzung mit Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern und Gleichgesinnten gibt einem das Gefühl der Geselligkeit. Man ist nie alleine, aber auch immer fremd, wenn man will.

Fremd ist man sich auch im Social Web. Man trifft nur funktional aufeinander. Man bildet quasi punktuelle Interessensgemeinschaften neben seinen engen Freunden und Bekannten der Peergroup. Ein kurzes Posting auf einer Wall bildet für einige Sätze eine Gruppe, die sich um ein Thema unterhält. Im nächsten Augenblick kann man sich aber wieder ignorieren. Man kann sich Profile von anderen ansehen und ist so ganz kurz nicht distanziert und doch bleibt man es. Auch wenn Aktivität im Social Web natürlich immer zur Geselligkeit anregt. Das Social Web ermöglicht das schnelle Umschalten von Fremdheit und Geselligkeit. Ist das das ein Erfolgsgeheimnis von Social Media?