Zugegeben. Ich verkaufe meine Kinder. Aus meinem Umfeld häufte sich in letzter Zeit die Kritik, dass ich nicht Fotos von meinen Kindern auf Facebook stellen könne. Ja stimmt, Kinder sind extrem Resonanz fähig. Das Wissen wir doch schon längst aus der Werbung und ich benutze meine Kinder um meine Freund zu unterhalten. “like it”.
Ohne jetzt über die Ethik dieses Vorgehens zu diskutieren, ist doch viel spannender zu beobachten, wie wir uns täglich auf Social Media inszenieren. Wir geifern nach Retweets mit early adopter News. Wir üben uns in zynischen Harald Schmidt Kommentaren. Wir stellen cool gepimpte Fotos online. Und wir treten die Privatsphäre von unseren Kindern oder Freunden mit den Füßen um ein ‘oh wie süüüß’ zu bekommen.
Wir sind alle Entertainer. Wir lernen uns zu vermarkten. Sogar die Leute, die das alles nicht tun, erfahren wie man heut zu Tage Resonanz bekommen kann. Im Grunde sind wir schon immer Selbstvermarkter. Am Stammtisch oder im Familienkreis werden schon immer Sprüche geklopft und Fotos gezeigt.
Neu ist aber die Geschwindigkeit und die Häufigkeit unserer Unterhaltungsshow. Neu ist auch, wie kritisch wir geworden sind. Spannend finde ich z.B. wie Luca Hammer über seinen Umgang mit Circles auf Google+ schreibt: Wenn man ihn langweilt, verschwindet man irgendwann aus seinen Kreisen. Er hat ja irgendwie recht. Warum muss man sich den Bullshit durchlesen, den die Leute so von sich geben, wenn man sich nicht dafür interessiert. Man sollte da auch nicht vor “realen” Freunden Rücksicht nehmen. Vielleicht ist man einfach die falsche Zielgruppe. Es ist ja gut möglich, dass ich einige meiner Freunde auf Facebook mit meinen Babyfotos zu Tode nerve und ich Gefahr laufe im Spam zu landen. Auf G+ ist das jetzt noch viel einfacher geworden.
An dieser Entwicklung sehe ich aber einen positiven Sideeffect. Werden wir nicht auch alle kritischer gegenüber Kommunikation von öffentlichen Personen und Medien? Ich glaube Social Media sorgt für Qualität. Das habe ich auch schon in meinem letzten Post über die Veränderungen in Unternehmen angedeutet.
So lange ich noch genügend positive Reaktionen auf meine Kinderfotos bekomme, werde ich das weiter tun. Meine Kinder werden mir das sicher verzeihen. Für sie wird Social Media kein Begriff mehr sein, denn dann sind alle Medien “social” und diese Unterscheidung wird nicht mehr notwendig sein.
