13/07/2011

Social Media macht uns zu Entertainern

Zugegeben. Ich verkaufe meine Kinder. Aus meinem Umfeld häufte sich in letzter Zeit die Kritik, dass ich nicht Fotos von meinen Kindern auf Facebook stellen könne. Ja stimmt, Kinder sind extrem Resonanz fähig. Das Wissen wir doch schon längst aus der Werbung und ich benutze meine Kinder um meine Freund zu unterhalten. “like it”.

Ohne jetzt über die Ethik dieses Vorgehens zu diskutieren, ist doch viel spannender zu beobachten, wie wir uns täglich auf Social Media inszenieren. Wir geifern nach Retweets mit early adopter News. Wir üben uns in zynischen Harald Schmidt Kommentaren. Wir stellen cool gepimpte Fotos online. Und wir treten die Privatsphäre von unseren Kindern oder Freunden mit den Füßen um ein ‘oh wie süüüß’ zu bekommen.

Wir sind alle Entertainer. Wir lernen uns zu vermarkten. Sogar die Leute, die das alles nicht tun, erfahren wie man heut zu Tage Resonanz bekommen kann. Im Grunde sind wir schon immer Selbstvermarkter. Am Stammtisch oder im Familienkreis werden schon immer Sprüche geklopft und Fotos gezeigt.

Neu ist aber die Geschwindigkeit und die Häufigkeit unserer Unterhaltungsshow. Neu ist auch, wie kritisch wir geworden sind. Spannend finde ich z.B. wie Luca Hammer über seinen Umgang mit Circles auf Google+ schreibt: Wenn man ihn langweilt, verschwindet man irgendwann aus seinen Kreisen. Er hat ja irgendwie recht. Warum muss man sich den Bullshit durchlesen, den die Leute so von sich geben, wenn man sich nicht dafür interessiert. Man sollte da auch nicht vor “realen” Freunden Rücksicht nehmen.  Vielleicht ist man einfach die falsche Zielgruppe. Es ist ja gut möglich, dass ich einige meiner Freunde auf Facebook mit meinen Babyfotos zu Tode nerve und ich Gefahr laufe im Spam zu landen. Auf G+ ist das jetzt noch viel einfacher geworden.

An dieser Entwicklung sehe ich aber einen positiven Sideeffect. Werden wir nicht auch alle kritischer gegenüber Kommunikation von öffentlichen Personen und Medien? Ich glaube Social Media sorgt für Qualität. Das habe ich auch schon in meinem letzten Post über die Veränderungen in Unternehmen angedeutet.

So lange ich noch genügend positive Reaktionen auf meine Kinderfotos bekomme, werde ich das weiter tun. Meine Kinder werden mir das sicher verzeihen. Für sie wird Social Media kein Begriff mehr sein, denn dann sind alle Medien “social” und diese Unterscheidung wird nicht mehr notwendig sein.

07/07/2011

Wie verändern sich Organisationen durch Resonanzerwartung?

Gestern saß ich mal wieder in einem Akquisetermin mit einem Beratungsunternehmen. Schon nach wenigen Minuten musste ich gedanklich abschalten, weil sie uns leider mal wieder nichts besonderes Neues oder spannendes präsentiert haben. Aber etwas Gutes hatte dann der Termin dann doch.

Mir ist mal wieder aufgefallen, dass wir einen großen blinden Fleck in Organisationen bei dem Hypertrend Social Media haben. Wir schauen uns gerne an, wie wir die Interaktion mit Kunden steigern, den Kunden Service anbieten, Kundenbindung herstellen und Produkte verkaufen können. Aber wir machen uns selten oder nie Gedanken darüber, welche Implikationen das Social Web für uns als Organisation selbst hat.

Heute muss man als Organisation ja immer mit Resonanz rechnen. Und zwar Resonanz die sichtbar ist. Durch Kommunikation hat man schon immer weitere Kommunikation befeuert, nur konnte man das früher nicht so schön sehen. Außerdem war Interaktion räumlich und zeitlich aufwändiger.

Meine Frage ist nun, wie verändert sich ein Unternehmen selbstreferenziell, weil der Anschluss von Kommunikation heute so viel einfacher ist?

Ich denke ein wesentlicher Punkt ist die gestiegene Transparenz auf Märkten:

  • Preise können einfacher verglichen werden.
  • Die Qualität von Produkten wird durch Bewertungen unmittelbar sichtbar.

Gleichzeitig steigt aber der Einfluss von Präferenzen auf Märkten:

  • Persönliche Bewertungen beeinflussen den Kauf eines Produktes.
  • Persönliche Erfahrungen lassen die Wahrnehmung der eigenen Zufriedenheit anders erscheinen.

Welche Konsequenzen hat das für Unternehmen? Instransparente Kostenkommunikation wird sofort entlarvt.  Qualitätsfeedback ist unmittelbar und kann den Erfolg eines Produkts ab dem ersten Verkauf beeinflussen. Die ersten Bewertungen sind lebensnotwendig für den Erfolg eines Produktes. Ein schlechter Start kann den weiteren Verkauf schwächen. Außerdem sind Kunden vor allem dann zufrieden mit einem Produkt, wenn es ihr Netzwerk auch ist. Das beste Beispiel ist hier mal wieder Apple. Die Apple Community trägt das gute Gefühl ein Apple Produkt zu besitzen weiter, auch wenn andere Produkte evtl. besser sind.

Das beantwortet aber immer noch nicht meine Frage. Denn ich möchte ja wissen, welche organisatorischen Folgen das haben kann? Alle Marktaktivitäten stehen unter permanenter Beobachtung und diese Beobachtung wird natürlich durch Marktforschung beobachtet. Nur bekommt man dadurch die richtigen Aussagen? Zumeist wird ja erst dann abgetestet, wenn eine Kommunikation oder ein Produkt schon auf dem Markt sind. Das Social Web ist viel mehr immer ein Spiegel, den man bei Entscheidungen sich vorhalten muss. Natürlich kann man Strategien entwickeln um die Resonanz zu steuern, aber mit Resonanz wird immer schon gerechnet.

Mir ist das aber immer noch zu unscharf. Vielleicht ist das Thema aber auch einfach zu banal, als darüber noch weiter nachdenken zu müssen. Mal sehen…

04/07/2011

Intuition ist der Königsweg der Komplexitätsreduktion

Nach Prof. Dr. Peter Kruse funktioniert Corporate Learning nur dann, wenn man ein gemeinsames Wertemuster hat oder zumindest versteht, welche Wertemuster alle Interaktionsteilnehmer haben. Dies entspricht exakt dem systemtheoretischen Kulturbegriff. Kultur ist hier kein normativer Begriff, sondern eine Co-Evolution von Wertemustern, die die Anschlussmöglichkeiten von Kommunikation erleichtern. Das klingt jetzt sehr kompliziert, ist es aber nicht, wenn man beim Denken an Kultur nicht die Leitkultur im Kopf hat sondern mehr ein Schmiermittel, das unsere Interaktion, unsere Gesellschaft im Laufen hält. Sozusagen ist alles Kultur und nicht nur das, was unsere Bildungselite als Kultur versteht.

Peter Kruse macht meiner Meinung nach den Fehler, zu sehr an der Konstruktion von Kultur durch Diskurse zu hängen. Sobald in einem Netzwerk Interaktion funktioniert hat sich schon eine Kultur gebildet, ohne dass man sich auf diese hätte einigen müssen. Er spricht von Titanenaufgaben, die man für internationale Corporate Learning Strukturen bewältigen müsse. Ich rätsle gerade, welche Hindernisse das sein könnten. Sprache, Business Tools und internationale Kommunikation sind längst globalisiert. Gerade die Sprache in Social Media hat sich standardisiert.

Learning: Um in Social Media gesteuerte Lernprozesse einzuführen ist eine gemeinsame Kultur notwendig. Es könnte z.B. schon genug sein, Kunde von der selben Firma zu sein, oder gleich Interessen zu haben.

Wie reduzieren Menschen die Komplexität von Systemen?

1. Ausprobieren.
2. Ignoranz.
3. Verstehen.
4. Trivialisierung.
5. Intuition.

Intuition ist für Peter Kruse der Königsweg. Nur müsse man sich in seiner Intuitionsfähigkeit immer weiterentwickeln um nicht irgendwann mit einer Intuition von Gestern die falsche Entscheidung zu treffen.

Learning: Kollektive Intuition könnte die Lösung für eine Gefahrenreduktion der falschen intuitiven Entscheidung sein. Gerade bei der Einführung von Produkten kann also die aggregierte Intuition eines Netzwerks eine Managemententscheidung stützen oder aber verwerfen.

03/07/2011

Die Vernetzungsdichte erhöht die Komplexität der Systeme

Gestern lernten wir von Prof. Dr. Peter Kruse, dass wir Werkzeuge entwickeln müssen, um die vernetzte Welt besser verstehen und bewerten zu können.

Heute steigen wir gleich tiefer in seine Theorie ein:

Durch die erhöhte Netzwerkdichte sind komplexe Praktiken und Veränderungsdynamiken entstanden, deren Wirkung wir nicht mehr so einfach verstehen können. Deshalb setzt Peter Kruse auf die kollektive Intelligenz.

Learning: Social Media bewirkt in Unternehmen Praktiken, deren Wirkung wir noch nicht hervorsehen können. Wir brauchen deshalb neue Prozesse mit entsprechenden Methoden um der vernetzten Welt entsprechen zu können.

Kruse erklärt sehr einleuchtend, wie er mit Methoden die drei Grundkomponenten von intelligenten Systemen, Vernetzung, Erregung und Bewertung stimulieren kann.

1. Erhöhung der Vernetzung in Gruppen. Hierfür hat next practice das Moderationstool nextmoderater entwickelt, die alle Workshopmethoden von Brainstorming bis Maßnahmenentwicklung in einem LAN möglich machen. Somit können Kleingruppenprozesse auf sehr große Gruppen skaliert werden.

2. Bewertungen von Menschen sichtbar machen. Bewertungsmuster sind auf Grund der Black Box des Bewusstseins nicht direkt mit Fragestellungen herauszufinden. Außerdem verhindern sprachlich mehrdeutige Fragen und biographische geprägte Antworten die Erhebung von Wertewelten. Das Tool von next practice dazu ist nextexpertizer.

Learning: Die klassischen quantitativen Tools für Social Media Monitoring sind auf dem Holzweg. Aber das war eh klar. Es gibt also anscheinend eine Methode, mit der man dann “wirklich” an die Meinung der Kunden kommt?!? Ich lass mir mal die Brochuren von diesen Tools schicken ;-) . Mit einer Facebook Community einen Innovationsworkshop durchzuführen wäre außerdem eine herausfordernde Idee, an der ich gefallen gefunden habe.

02/07/2011

Peter Kruse erschafft Werkzeuge zum Erzeugen von Kollektiver Intelligenz.

In meinem gestrigen Post stellte ich einen Vortrag von Prof. Dr. Peter Kruse zu Social Media vor. So manchen Ansatz fand ich so spannend, dass ich mehr über Peter Kruse erfahren wollte. Auf YouTube sind einige interessante Interviews mit ihm zu finden. In den nächsten Tage werde ich jeden Tag ein Video aus einem längeren Interview vorstellen und kurz zusammenfassen, was wir daraus für Social Media Management oder New Media Communication lernen können.

Wer ist Peter Kruse?

Das Unternehmen next practice von Peter Kruse berät Unternehmen in Veränderungs -und Innovationsprozessen. Sehr spannend ist seine Aussage, dass Unternehmen sehr wohl schon Ideen hätten wie komplexe Systeme funktionieren und wie darin Veränderungen passieren können, aber es fehle ihnen an passenden Methoden. Dafür baut next practise Werkzeuge zum Erzeugen von kollektiver Intelligenz. Seine These ist, dass unsere Sozialen Systeme heute so komplex seien und man sie nicht mehr individuell lösen könne. Deshalb entwickeln Sie Methoden um in Netzwerken kollektive Intelligenz real herzustellen, damit das Ganze mehr ist als die Summe der Teile.

Mit kollektiver Intelligenz Innovation herstellen kann man einfach auch Crowdsourcing nennen. Wie man Crowdsourcing aber wirklich in großen Unternehmen (Systemen) in den Innovations -und Entwicklungsprozess einbaut ist oft eine ungelöste Frage. Deshalb lohnt es sich sicher Herrn Kruse in seinen Ausführungen weiter zu folgen.

Learning: Wir müssen Methoden (Werkzeuge) entwickeln, um das Potential von Netzwerken für Veränderungs -und Innovationsprozesse nutzen zu können.

Abschließen möchte ich aber noch mit zwei kritischen Anmerkungen. Systeme sind immer mehr als die Summe seiner Teile. Dafür muss man nicht erst Kollektive Intelligenz schaffen. Außerdem muss man die Komplexität von Systemen nicht lösen, sondern eine Praxis schaffen, die die Komplexität reduziert. Naja, vielleicht meint er das sowieso genau so ;-) !

01/07/2011

Revolution 2.0 von Prof. Dr. Peter Kruse

Aktuell durchforste ich das Web nach vorhandenen Analysen, Vorträgen und Präsentationen, die sich mit wissenschaftlicher oder zumindest analytischer Perspektive, dem Social Web nähern. Einer der ersten Suchergebnisse für “Social Media Gesellschaft” ist auf Penzweb.de der Vortrag Revolution 2.0 von Prof. Dr. Peter Kruse. Dass die Präsentation schon zwei Jahre alt ist, macht das Review um so spannender.

Schaut euch in Ruhe das Video an und dann blättert danach schnell noch durch die Präsentation.

Lpr Forum Medienzukunft

Prof. Kruse steigt in die Präsentation ein, wie man vor zwei Jahren eben noch solche Präsentationen beginnen musste, indem er die unglaublich hohe Userzahl und deren Vernetzung sowie die Wachstumsgeschwindigkeit von Social Media zeigt. Damit und vielen weiteren Beispielen stütz er seine These der Machtverlagerung durch Resonanzbildung.

Richtig spannend wird der Vortrag aber erst nach 20 Minuten, wenn Prof. Kruse noch mal betont, dass Social Media Kampagnen eben Resonanz fähig sein müssen, damit diese erfolgreich werden können. Die Initiatoren bedürfen Empathie und ein hohes Verständnis von Netzwerken um die Macht des Social Web wirklich nutzen zu können. Anschließend zeigt er auch noch mit der Maslowschen Pyramide, dass sich auf der Suche nach Sinn, die Qualität im Social Web durchsetzen wird.

Am Beispiel des “Uni brennt” Protestes in Wien belegt er, dass Hierarchie und Netzwerk nicht zwei einander widersprechende Dinge sondern zwei Aggregatzustände eines Systems (politisches System) sind. Er kreiert den spannenden neuen Begriff der Netzwerkkompetenz neben der Medienkompetenz, die man doch für den Ideenfindungsprozess nutzen solle.

Das letzte Kapitel über die Akzeptanz von Social Media bei Digital Natives vs. Digital Visitors war dann nicht mehr überraschend.

Anscheinend sprach Prof. Kruse vor einem Publikum aus Wirtschaftsvertretern und deshalb fällt mein Urteil über den Vortrag nicht zu hart aus. Er hat natürlich nur an der Oberfläche gekratzt und vor allem mit Beispielen plakativ überzeugen wollen. Dennoch hat er mein Interesse an seinen Arbeiten geweckt und ich werde bis zu meinem nächsten Post mich noch mehr mit Prof. Dr. Peter Kruse und seiner Sicht auf das Social Web beschäftigen. Auch weil Prof. Kruse zu den amüsanteren seiner Art gehört und schon vor zwei Jahren recht schlaue Sätze über Social Media sagen konnte.

13/04/2010

Fremdheit vs. Geselligkeit

Eine wesentliche Ressource unserer Gesellschaft sei die Fremdheit, schreibt Armin Nassehi in seinem, auch für Nicht-Soziologen, lesbaren Buch “mit dem Taxi durch die Gesellschaft”. Er begründet es darauf, dass in urbanen Räumen das Zusammenleben nur möglich sei, wenn man distanziert anonym bleiben könne und die Kommunikation in weiten Teilen auf die Kommunikationsmedien reduziert ist. Es gibt sozusagen ein Gemeinwohl aus Fremden.

Wenn man sich jetzt aber das Social Web ansieht, laufen einem pausenlos neue Gruppen über den Weg. Es scheint ja gerade so vor Geselligkeit zu strotzen. Aus soziologischer Sicht haben Gruppen, sehr vereinfacht ausgedrückt, zwei wesentliche Merkmale: Gruppen sind gesellig und haben ein gemeinsames Ziel. Ich glaube, im Social Web muss man Geselligkeit neu definieren. Die grenzenlose Vernetzung mit Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern und Gleichgesinnten gibt einem das Gefühl der Geselligkeit. Man ist nie alleine, aber auch immer fremd, wenn man will.

Fremd ist man sich auch im Social Web. Man trifft nur funktional aufeinander. Man bildet quasi punktuelle Interessensgemeinschaften neben seinen engen Freunden und Bekannten der Peergroup. Ein kurzes Posting auf einer Wall bildet für einige Sätze eine Gruppe, die sich um ein Thema unterhält. Im nächsten Augenblick kann man sich aber wieder ignorieren. Man kann sich Profile von anderen ansehen und ist so ganz kurz nicht distanziert und doch bleibt man es. Auch wenn Aktivität im Social Web natürlich immer zur Geselligkeit anregt. Das Social Web ermöglicht das schnelle Umschalten von Fremdheit und Geselligkeit. Ist das das ein Erfolgsgeheimnis von Social Media?

11/04/2010

Jedem seine Öffentlichkeit

Das Neue an Social Media soll ja die Interaktion sein und der Dialog auf Augenhöhe. Gerade Organisationen betonen dies immer, wenn Sie danach gefragt werden, warum sie Social Media nutzen. Aber sind denn Social Networks Interaktionssysteme?

Luhmann beschreibt Kommunikation als einen Selektionsprozess von Information, Mitteilung und Verstehen. Dieser Dreiklang wird auch in anderen üblichen Kommunikationstheorien gepflegt. Luhmann versteht diese Selektionsmöglichkeiten jedoch nicht im klassischen Sender-Empfänger-Prinzip, sondern dreht sie um und setzt für jeden mitteilenden Sprecher schon immer ein verstehendes Publikum vorraus. Wenn es um Kommunikation in Massenmedien geht, kommen an dieser Stelle Öffentlichkeiten ins Spiel. Richtig gelesen: Öffentlichkeiten!

Aus Dank für die Motivation und weil es einfach gut passt, zitiere ich hier Hannes Offenbacher: Seine Social Media Präsentation trägt den Titel “Die Rückkehr des Dörflichen” (korrekt Hannes?). Ohne seine Präsentation zu kennen, wage ich diesen Gedanken hier aufzunehmen. Social Networks haben den Charakter einer dörflichen Gemeinschaft. Jeder kennt jeden und alle reden miteinander. Aber wenn man diesen Vergleich wirklich ernst nimmt, müssten in einem Dorf immer alle auf dem Hauptplatz stehen und einer schreit in die Runde, was er gerade denkt. Oder besser gesagt, müsste das Dorf so klein, dass man überall jeden bei allen Tätigkeiten hören kann und man immer allen zuschreien kann, was man gerade tut.

Richtig ist, dass Facebook und Co. die Welt wieder kleiner macht, genauso wie alle anderen Massenmedien. Nur ist Facebook ein Massenmedium für Individuen. Jeder ist ein massenmedialer Sender und spricht zu seiner persönlichen Öffentlichkeit. Bevor man seine Statusmeldung aktualisiert findet eine Selektion der Information statt, die die Erwartungserwartung der Öffentlichkeit miteinschließt. Dörflich ist aber auch die Vernetzung von Wenigen zu Gruppen und persönlichen Netzwerken. In meinem nächsten Beitrag werde ich mich deshalb mit dem Gruppenbegriff beschäftigen um rauszufinden, ob Social Networks eine neue Art von Gruppe(n) ist.

10/04/2010

Social Media unter soziologischer Beobachtung

Gestern ermutigte mich Hannes Offenbacher an meinem Projekt festzuhalten, über Social Media unter einem soziologischen Blickwinkel zu schreiben. Es gab ja schon in der Vergangenheit einige Beiträge von mir zu Facebook, die zwiespältig aufgenommen wurden. Die teilweise etwas rüde Kritik an den Postings hat mich aber eher bestätigt, dass es längst an der Zeit ist, der rein technischen Sicht von Social Media eine sozialwissenschaftliche hinzuzufügen.

Es gibt sicher schon einige Institute, die sich ernsthaft wissenschaftlich mit diesem Thema befassen. Deshalb erhebe ich hier nicht den Anspruch eine wissenschafftliche Arbeit abzuliefern, sondern möchte meine aus der Praxis gesammelten Erfahrungen mit meinem soziologischen Background anreichern. Ich werde nicht nur über Social Media an sich schreiben, sondern auch über Organisationen, die nun mit Social Media umgehen (lernen) müssen. Allein schon der Wildwuchs an Social Media Experten und Agenturen wäre einen eigenen Blog wert.

Dennoch werde ich brav zitieren und euch auch etwas soziologische Theorie zu meinen Überlegungen servieren. Ohne geht es halt doch nicht. Dafür muss ich mich natürlich wieder in meine kleine aber feine sozialwissenschaftliche Bibliothek wühlen, um meine Praxiserfahrung mit einer soziologische Beobachtung zweiter Ordnung zu versehen. Der findige Leser wird evtl. schon bemerkt haben, dass ich sehr systemtheoretisch geprägt wurde. Trotzdem werde ich versuchen auch andere soziologische Paradigmen aufzunehmen.

Leider sind meine alten Beträge über Facebook einem fehlerhaftem Backup und meinem Relaunch zum Opfer gefallen. Das macht aber nichts, weil sich Gesellschaft nicht so schnell ändert und die Überlegungen nur wieder aufzuschreiben sind. Das Hauptziel dieses Projekts ist Anschlusskommunikation zu provozieren. Jeder emotional kritische oder sachliche Kommentar ist deshalb mehr als erwünscht. Meine Aufregung und Lust steigt und morgen werde ich gleich der Frage nachgehen, ob Social Media Interaktionssysteme sind.

30/03/2010

Studie: Wie nutzen Deutschlands größte Marken Social Media?

Twitter YouTube Wordpress Facebook

Die Carl von Ossietzky Universität in Oldenbourg hat eine empirische Studie durchgeführt mit der Fragestellung “Wie nutzen Deutschlands größte Marken Social Media?” Ich hab mir die Studie durchgelesen und geb euch ein kurzes Abstract davon:

  • 60% der größten Marken verwenden Social Media.
  • Nur 5% davon benutzen Facebook, Twitter, YouTube und Blogs zusammen.
  • Twitter ist das beliebteste Social Media Instrument.
  • Unternehmen aus Telekommunikation und Unterhaltungselektronik sind führend.
  • Je aktiver ein Unternehmen in Social Media ist, desto größer ist die Resonanz der Internet User.

Vor allem der letzte Punkt hat mich nun genauer interessiert und werde diesen hier kurz ausführen:

Grundsetzlich kann die These bewiesen werden, dass viel Aktivität zu viel Resonanz führt. Jedoch ist das nicht durchgängig der Fall. Die Marken Hornbach, Friendscout24 und T-Mobile hatten zwar eine hohe Aktivitätsrate aber nur geringe Resonanz. Man müsste sich jetzt im Detail ansehen, ob hier die falsche Strategie gewählt wurde. Denn eines ist klar, sobald Social Media als reines Marketinginstrument verwendet wird, wird der Dialog ausgebremst.

Die Studie hat auch hervorgebracht, dass Facebook relativ wenig Resonanz erzeugt im Vergleich zu Twitter oder YouTube. Die geringste Resonanz wird mit Blogs erreicht, was aber auch nicht groß verwundert.

Die Resonanzanalysen übersehen meiner Meinung nach, dass Twitter z.B. ein ganz anderes Userprofil hat als jetzt Facebook. Twitter benutzen viele User als Wissensspeicher, Suchmaschine und Newsgenerator. Facebook dagegen wird fast nur privat und just for fun genutzt.  Die Resonanz bei Blogs hängt sicher sehr stark vom Thema ab und kann auch nicht direkt mit den sehr schnellen Kommunikationswegen von Twitter und Facebook konkurrieren.