Entrepreneurship

23.04.2010

Mingo Blogparade “Entrepreneurship”

Für die Mingo Blogparade “Entrpreneurship” will ich einen Beitrag aus der soziologischen Perspektive leisten. Falls manche Thesen nicht ganz klar sind, versuche ich in den Kommentaren noch mal deutlicher zu werden.

Auf Business Schools werden Unternehmer meist als gute Entscheider betitelt. Aber was macht einen guten Entscheider aus? Wissen Entscheider mehr über den einzuschlagenden Weg? Zumeist werden gute Entscheidungen guten Gründen zugeschrieben und somit müssten Unternehmer sehr viel wissen, da sie ja sonst keine guten Gründe hätten. Das man gute Gründe auch ohne Wissen haben kann, macht aber vielleicht genau den guten Unternehmer aus.

Herkömmlicherweise beschreibt man Entscheider also als Wissende. Folgt man aber den Ausführungen von Armin Nassehi
so entsteht erst dann eine Entscheidungssituation, wenn man eben nicht weiß, wie man sich zu entscheiden hat und nach guten Gründen suchen muss um eine Asymetrie im Entscheidungsprozess herzustellen. Unternehmer stehen also vor viel Nicht-Wissen. Sie wissen oft nicht, ob ihr Produkt oder Service überhaupt einen Markt hat. Sie wissen nicht, ob sich ihr Businessmodell rechnen wird. Sie wissen nicht wie die Konjunkur im kommenden Jahr aussehen wird. Und vieles mehr wissen Unternehmer nicht. Aber trotz all dem Nicht-Wissen oder gerade wegen dem Nicht-Wissen sind sie gute Entscheider und nehmen das Risiko einer möglichen “falschen” Entscheidung auf sich und entscheiden einfach. Damit die Entscheidung auch dann nicht zur Gefahr für den Entscheider wird, wenn die Entscheidung evtl. falsch war, bezieht man sich z.B. auf Statistiken, andere Experten, eigenen Erfahrungen oder einfach dem Gefühl. Letztlich muss man sich aber erst entscheiden, wenn man nicht weiß wie man sich zu entscheiden hat. Sonst müsste der Unternehmer nicht entscheiden, sondern einfach tun was man tun muss.

Unternehmer sind aber nicht nur gute Entscheider, sondern auch meist Experten auf einem Gebiet. D.h. sie müssen sich bei vielen Dingen, die sie tun eben nicht entscheiden, weil sie es in der Praxis einfach tun. Somit sind Unternehmer auch Nicht-Entscheider, sondern wie man so schön umgangssprachlich sagt “Macher”. Entweder verkaufen Sie ihre eigene entscheidungsfreie Praxis anderen oder aber sie stellen Leute ein, die so viel über eine Praxis wissen, dass sie die Entscheidung für andere abnehmen, weil sie eben sich gar nicht entscheiden müssen.

Schließlich besitzen Unternehmer auch einen Habitus eines Unternehmers. Diesen eignet man sich auf Business Schools an oder wächst darin auf. Der Habitus kaschiert zum einen, dass der Unternehmer Entscheidungen treffen muss und eben nicht genau weiß ob es die richtige Entscheidung war und zum anderen, dass der Unternehmer oder seine Angestellte eine Praxis beherrschen, die entscheidungsfrei anderen Unternehmen oder dem Endkunden weiterhilft. Manchen stößt dieser Habitus negativ auf und es gibt auch andere etwas mildere Ausprägungen, die weniger präpotent daherkommen. Der unternehmerische Habitus ist aber sehr wichtig, da nur dadurch neue Kunden gewonnen werden können.

Über Förderprogramme zu schreiben finde ich ziemlich sinnlos, deshalb endet hier mein Beitrag zur Blogparade.

Social Media

13.04.2010

Fremdheit vs. Geselligkeit

Eine wesentliche Ressource unserer Gesellschaft sei die Fremdheit, schreibt Armin Nassehi in seinem, auch für Nicht-Soziologen, lesbaren Buch “mit dem Taxi durch die Gesellschaft”. Er begründet es darauf, dass in urbanen Räumen das Zusammenleben nur möglich sei, wenn man distanziert anonym bleiben könne und die Kommunikation in weiten Teilen auf die Kommunikationsmedien reduziert ist. Es gibt sozusagen ein Gemeinwohl aus Fremden.

Wenn man sich jetzt aber das Social Web ansieht, laufen einem pausenlos neue Gruppen über den Weg. Es scheint ja gerade so vor Geselligkeit zu strotzen. Aus soziologischer Sicht haben Gruppen, sehr vereinfacht ausgedrückt, zwei wesentliche Merkmale: Gruppen sind gesellig und haben ein gemeinsames Ziel. Ich glaube, im Social Web muss man Geselligkeit neu definieren. Die grenzenlose Vernetzung mit Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern und Gleichgesinnten gibt einem das Gefühl der Geselligkeit. Man ist nie alleine, aber auch immer fremd, wenn man will.

Fremd ist man sich auch im Social Web. Man trifft nur funktional aufeinander. Man bildet quasi punktuelle Interessensgemeinschaften neben seinen engen Freunden und Bekannten der Peergroup. Ein kurzes Posting auf einer Wall bildet für einige Sätze eine Gruppe, die sich um ein Thema unterhält. Im nächsten Augenblick kann man sich aber wieder ignorieren. Man kann sich Profile von anderen ansehen und ist so ganz kurz nicht distanziert und doch bleibt man es. Auch wenn Aktivität im Social Web natürlich immer zur Geselligkeit anregt. Das Social Web ermöglicht das schnelle Umschalten von Fremdheit und Geselligkeit. Ist das das ein Erfolgsgeheimnis von Social Media?